Planung von kommunaler Infrastruktur am Beispiel der Bäder in Niederösterreich


ABSTRACT

Die Beziehung zum Wasser, die jedem Menschen von Geburt an in seiner Geschichte mitgegeben ist, darf als etwas Besonderes angesehen werden. Ohne das Element könnte der menschliche Körper nicht existieren. Diese Tatsache birgt vermutlich die Kraft der Anziehung,die das Wasser auf uns seit Jahrtausenden ausübt, auch in der Wahl unserer Freizeitgestaltung. Daher wird zu Beginn des ersten Kapitels auf die historische Geschichte der Bäder in Mitteleuropa geblickt. Bereits hier zeigen sich durch die Epochen der Geschichte zyklisch verlaufende Hochphasen und Niedergänge diverser Schwimm- und Bäderkulturen. Abhängig vom Wohlstand einer Gesellschaft spiegelt das Freizeitverhalten die über- oder untergeordnete Rolle unterschiedlicherBäderinfrastruktur wider. Unter Berücksichtigung dieser historischen Entwicklungen werden die aktuellen Daten der letzten Jahre im deutschsprachigen Raum in Bezug auf die derzeit vorhandene Bäderinfrastruktur und Schwimmfähigkeit der Menschen exploriert und analysiert. Bei der Betrachtung der Datenlage zeigt sich, dass diese zwar so umfangreich wie nie ist, allerdings für eine umfassende Analyse dennoch als unzureichend zu qualifizieren ist. Hinzu kommt, dass die vorhandenen Daten von den Anwendern vielfach mangelhaft verwendet bzw. interpretiert werden.Um eine Klassifizierung vorhandener und zukunftsweisender Bäderbetriebsarten zu erhalten, wird im zweiten Kapitel auf Besonderheiten und Probleme beim Bau und der Verwaltung von Bäderimmobilien eingegangen. Sowohl die Betriebsarten als auch eine Gegenüberstellung des herkömmlichen vs. eines richtigen Projektvorgehens, bezogen auf den Lebenszyklus einer Bäderimmobilie, werden analysiert. Auch hier zeigt sich in der Sammlung von Daten der Bäderinfrastruktur in Österreich, dass diese unvollständig vorhanden sind und nicht einmal auf Bundesländerebene ein eindeutiges Bild gezeichnet werden kann. Zudem zeigt sich auf struktureller Ebene, dass Städte und Gemeinden nicht in der Lage sind, ihre im Besitz der Gemeinden befindlichen Bäder wirtschaftlich adäquat zu verwalten. Im Zuge der Recherche wird deutlich, dass dieser Umstand jedoch nicht ausschließlich die Bäder betrifft, sondern auf beinahe jede kommunal verwaltete Sportinfrastruktur umzulegen ist. Als besonders problematisch werden in den Gemeinden allerdings die Bäderbetriebe angesehen, da die Rentabilität für bestimmte Bädertypen schlichtweg nicht gegeben ist, diese jedoch seit Jahrzehnten ohne baulicheAdaptionen oder Maßnahmen in der gewohnten Verwaltungsstruktur geführt werden. Der Umgang mit der Organisation dieser Immobilien zeigt die Schwachstellen des Systems im österreichischen Sportstättenbau auf.Am Beispiel Niederösterreich wird schließlich deutlich gemacht, dass die Gemeinden und Länder nach wie vor zu kleinregional denken und interkommunale Zusammenarbeit im vorherrschenden politischen System offenbar als nicht erstrebenswert erachtet wird. Es fehlt an neuen Kooperations- und Finanzierungsmodellen und die Gemeinden scheinen mit diesem Problem überwiegend allein gelassen. Nur wenige Beispielprojekte lassen sich finden, wo ein nachhaltiger Zugang versucht wurde, wobei jedoch durch das Beibehalten alter Planungs- und Verwaltungsmuster selbst dort wieder Fehlplanungen und Kostenüberschreitungen passieren, die Errichtung und Betrieb nachhaltig schwächen. Problematisch wirken sich die strukturellen Mängel bei den Badeeinrichtungen insbesondere beim Schulschwimmen aus, da die Defizite der Schwimmfähigkeit bei Kindern jährlich größer, die dringend benötigten Bäder jedoch aufgrund von Sanierungsstau und stetig steigender Kosten zunehmend geschlossen werden. Gemeinden, Länder und Bund werden hier in Zukunft vor neuenHerausforderungen stehen, um das Schulschwimmen – wie in den jeweiligen Lehrplänen vorgesehen – überhaupt gewährleisten zu können. Zusammengefasst werden schließlich drei in Zukunft prägende Bädertypen dargestellt und Handlungsleitlinien für die Gemeinden zur zukunftstauglichen Erhaltung von Bäderimmobilien vorgestellt.In Kapitel drei wird im Detail auf das Ybbstal, die Region rund um die Stadt Waidhofen an der Ybbs, als Beispielregion geblickt und erhoben, ob und in welcher Form hier ein Bedarf an Schwimmbädern gegeben ist. Vorhandene Bäder werden auf ihre Ausstattung und Lage in der Region überprüft. Aufbauend auf den in Kapitel 2 erhobenen Daten wird das vorhandene Angebot bewertet sowie das Einzugsgebiet und mögliche Zielgruppen überprüft. Die demografische Analyse der Stadt bescheinigt der Stadt einen starken Wirtschafts- und Tourismusraum sowie allgemein eine hohe Lebensqualität über alle Generationen hinweg, auch bedingt durch einen etablierten Schulstandort. Jedoch fehlen ebendiesem die nötigen Innovationen sowie auch eine eindeutige Profilierung im Sektor Tourismus und Freizeit. Schließlich wird in Kapitel vier- unter Berücksichtigung der zuvor gewonnenen Erkenntnisse – eine Handlungsanleitung vorgeschlagen wie sich die Region dem Thema widmen und im interkommunalen Zusammenschluss als Vorbild für eine Bäderregion in Niederösterreich stehen könnte.

VERFASSER:IN
Cmolik Sarah

JAHR
2024

STUDIENFACH
Raumplanung

UNIVERSITÄT
TU Wien

BUNDESLAND/LAND
Niederösterreich

ORT
Waidhofen an der Ybbs

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