Chaletdörfer in Österreich

Eine explorative Analyse ihrer Anzahl, der Lage und der Eigentumsstrukturen im raumplanerischen Kontext


ABSTRACT

Der Begriff „Chaletdörfer“ erlangte in den vergangenen Jahren mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Es wird von Investitionen aus dem Ausland, Geisterdörfern, Freizeitwohnsitzen und gar einem Ausverkauf der Heimat berichtet. Was in der Debatte oftmals fehlt, ist eine konkrete Definition dieser sogenannten Chaletdörfer und eine rationale Betrachtung des tatsächlichen Ausmaßes hinsichtlich der Eigentumsstrukturen, der Herausforderungen für die (örtliche) Raumplanung und der Flächeninanspruchnahme derartiger Dörfer. Die vorliegende Arbeit soll vor allem eine Definition für Chaletdörfer, deren Verortung in Österreich, deren Anzahl, Größe und Flächeninanspruchnahme schaffen. Zudem werden Chaletdörfer im Kontext der bestehenden Rechtslage und deren Herausforderungen für die (örtliche) Raumplanung beschrieben.Die größten Chaletdörfer befinden sich in den Bundesländern Kärnten, der Steiermark und Salzburg, hier besteht auch die höchste Anzahl. Eine Häufung ist entlang des Alpenhauptkammes in der Nähe von Wintersportgebieten festzustellen. In den Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg stehen mehr Anteile an Chaletdörfern in Besitz von in Deutschland gemeldeten natürlichen oder juristischen Personen als von jenen in Österreich gemeldeten. Hierzu lässt sich eine Korrelation zu Nächtigungszahlen des Tourismus im Jahre 2023 feststellen. In diesen Bundesländern stammte der größte Teil an Nächtigenden ebenfalls aus Deutschland. In Kärnten, der Steiermark, Ober- und Niederösterreich und dem Burgenland stellen jeweils Österreicher:innen die größte Gruppe an Anteilseigentümer:innen und Tourist:innen dar.Die recherchierten und in der vorliegenden Arbeit dargestellten Chaletdörfer nehmen bundesweit eine Fläche von rund 2,86 km2 in Anspruch. In Relation zu den rund 11.500 km2 Siedlungsraum (vgl. Statistik Austria 2024a) eine quantitativ geringe Fläche. Qualitativ befinden sich die untersuchten Chaletdörfer teilweise jedoch in peripheren Lagen, auf hochsensiblem Boden, gerodeten Waldflächen und/oder in Gefahrenzonen von Wildbächen.Die Raumplanungs- und Raumordnungsgesetze der Bundesländer Österreichs wurden in den letzten Jahren hinsichtlich der Schaffung von Freizeitwohnsitzen zunehmend verschärft. Betriebe für die Tourismuswirtschaft, dazu zählen auch tourismusgewerblich betriebene Chaletdörfer im Sinne von Hoteldörfer sollen jedoch nach wie vor ermöglicht werden. Hierbei ergeben sich teilweise nach wie vor Schlupflöcher für die eine potentielle Schaffung von Freizeitwohnsitzen. Es sind Novellierungen und Konkretisierungen bestehender Gesetze notwendig, um die Schaffung von Chaletdörfern als Freizeitwohnsitze und die damit einhergehenden Herausforderungen aus gesellschaftlicher und raumordnungspolitischer Sicht einzuschränken.

VERFASSER:IN
Vogelsang Linus Paul Jasper

JAHR
2024

STUDIENFACH
Raumplanung

UNIVERSITÄT
TU Wien

BUNDESLAND/LAND
übergreifend

ORT
übergreifend

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