Gemeinschaftsorientierte Wohnformen im Bestand als Zukunftsmodell für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung in Tirol
ABSTRACT
Gemeinschaftsorientierte Wohnformen sind im ländlichen Tirol kaum mehr verbreitet – historisch betrachtet eine relativ neue Entwicklung. Bis ins 20. Jh. war es üblich in generationenübergreifenden Wohn- und Wirtschaftsgemeinschaften zu leben. Ein Weg ‚zurück in die Zukunft‘ hin zu neuen Formen des bewusst gewählten und selbstbestimmten gemeinsamen Bauens und Wohnens in Bestandsgebäuden ist nicht nur historisch naheliegend, sondern auch im Hinblick auf die Schonung vorhandener Ressourcen notwendig. Ziel dieser Arbeit ist deshalb, Unterstützungsstrukturen für gemeinschaftsorientierte Wohnprojekte in Tirol zu entwickeln, die das Umsetzungspotential dieser Wohnform im Gebäudebestand steigern können.Problemzentrierte Expert*innen-Interviews mit Projektbeteiligten, Professionist*innen und Vertreter*innen des Amts der Tiroler Landesregierung bilden den methodischen Kern der Arbeit. Der formulierte Handlungsbedarf hinsichtlich der Unterstützungsstrukturen fußt einerseits auf diesen empirischen Daten und andererseits auf der Auswertung einer Sammlung von bestehenden Projekten im D-A-CH-Raum. Darauf aufbauend erfolgt auf Basis einer Analyse von Planungsgrundlagen in Tirol die Definition von neuen und adaptierten Unterstützungsstrukturen.Die Arbeit zeigt, dass in Tirol auf keine gemeinschaftsorientierte Baupraxis aus dem letzten Jahrhundert zurückgegriffen werden kann, weshalb diese Wohnform bis dato kaum Beachtung findet und nicht für alle Bevölkerungsgruppen zugänglich ist. Als Ursache dafür werden drei zentrale Aspekte identifiziert: Gesellschaftlicher Diskurs zu gemeinschaftsorientiertem Wohnen ist in Österreich nur in Ansätzen vorhanden. Entsprechend ist das Bewusstsein für diese Wohnform bei den Gebietskörperschaften gering. Die institutionalisierte finanzielle und personelle Unterstützung für Projektgruppen ist in Tirol mangelhaft. Besonders während der komplexen und aufwendigen Entwicklungsphase von Wohnprojekten wären weitreichende Unterstützungsstrukturen notwendig. Außerdem sind Liegenschaften für Projektgruppen schwer zugänglich, weil die Grundstückspreise hoch und leerstehende oder unternutzte Gebäude häufig indisponibel sind.weiterWOHNEN im Bestand kann durch die Weiterbildung involvierter Akteur*innen, den Weiterbestand der Baustruktur und der Weiterentwicklung des Nutzungskonzepts zu nachhaltiger Siedlungsentwicklung in Tirol beitragen. Damit diese gemeinschaftsorientierte Wohnform für die breite Masse zugänglich und somit deren Umsetzungspotential gesteigert wird, müssen Gebietskörperschaften insbesondere auf Landesebene aktiv werden und die entwickelten bewusstseinsbildenden, beratenden und begleitenden, finanziell unterstützenden, bestandsaktivierenden sowie grundlegenden Instrumente implementieren.
VERFASSER:IN
Maringele Silca
JAHR
2022
STUDIENFACH
Raumplanung
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Tirol
ORT
übergreifend
