Strategie des Gebrauchs für den Erhalt eines Typus
ABSTRACT
Der denkmalgeschützte und von Leerstand gezeichnete Stiftsmeierhof in Reichersberg fügt sich räumlich in das bestehende Ortsgefüge zwischen baukulturell und agrarkulturell geprägten Landschaften ein. Seit seiner Errichtung im Jahr 1640 hat der Stiftsmeierhof seine Umgebung im oberösterreichischen Innviertel und im angrenzenden Bayern wesentlich mitgeprägt und ist heute ein wichtiger Bestandteil der historischen Kulturlandschaft. In der näheren Umgebung des Stiftsmeierhofes ist nur dem Stift Reichersberg eine größere Präsenz in Bezug auf bauliche Größe und historische Bedeutung zuzuschreiben. Als landwirtschaftlicher Betrieb des Stiftes war er diesem stets untergeordnet. In ihrem baulichen als auch verwaltungstechnischen Bund bildeten sie in der Zeit der Grundherrschaft als Organisationsform des ländlichen Raumes eine in der Region und darüber hinaus einflussreiche Einheit. Auch nach der Auflösung der Grundherrschaft im Jahr 1848 blieb der Stiftsmeierhof in Reichersberg als landwirtschaftlicher Betrieb bis weit in das 20. Jahrhundert erhalten. Durch seine teilweise bauliche und wirtschaftliche Fortschrittlichkeit sowie seine beachtliche Größe blieb er regional prägend. Er bot zahlreiche Arbeitsplätze und beeinflusste das sozioökonomische Gefüge der Gemeinde Reichersberg. Wie sich das Verhältnis des Stiftsmeierhofes zu seiner Umgebung gestaltete und welche Erkenntnisse sich daraus für die heute noch erhaltene historische Kulturlandschaft ableiten lassen, geriet im konkreten Fall jedoch zunehmend in Vergessenheit. Sein Bestand als erhaltener Vermittler birgt jedoch das Potenzial, diese Wechselwirkung sichtbar zu machen. Dabei kann die Substanz beim Betrachter weiterhin eine gewisse Affirmation, Negation oder Ambivalenz hervorrufen und verleiht dem Stiftsmeierhof damit eine gewisse Präsenz. Diese Präsenz als Grundlage jeglichen Handelns muss jedoch vor dem Hintergrund seiner Vergangenheit erforscht, interpretiert und bearbeitet werden, um eine fortdauernde Diskussion um die Erhaltung des Stiftsmeierhofes zu ermöglichen. Daher wird in dieser Arbeit das Gehöft im Kontext seiner Entstehung, seiner Entwicklung sowie auch in seiner heute erhaltenen Substanz untersucht und erörtert. Ein sich daraus ergebendes Verständnis dieses Typus ermöglicht es, seine Bedeutung sowie die Wechselwirkung mit seinem Umfeld zu verstehen. Daraus soll schließlich ein Handlungsrahmen abgeleitet werden, der den Umgang mit der denkmalgeschützten Substanz auch zukünftig definiert. Um dem Leerstand und dem damit verbundenen Verfall entgegenzuwirken, soll letztlich eine denkmalverträgliche Nutzung und damit ein der Substanz angemessener, zukünftig möglicher Gebrauch mit entsprechender architektonischer Gestaltung skizziert werden.
VERFASSER:IN
Rainer Johannes
JAHR
2023
STUDIENFACH
Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Oberösterreich
ORT
Reichersberg
