The empty house as an ambivalent symbol of hope in Bosnia and Herzegovina and its function in transnational life
ABSTRACT
In Bosnien und Herzegowina, wo Menschen das Land auf der Suche nach einem normalen oder besseren Leben verlassen, sind die leeren Häuser ein Symbol der anhaltenden Abwanderung der Bevölkerung. Aus den einst belebten Familienhäusern wurden mit den Jahren reine Ferienobjekte, die ausschließlich während der Sommermonate besucht werden. In der übrigen Zeit stehen sie größtenteils leer und verbreiten eine melancholische Atmosphäre, die den anhaltenden Trend der Abwanderung nur noch zusätzlich verstärkt. Sie repräsentieren damit den globalen Trend der überfüllten Metropolregionen einerseits und der immer leerer werdenden ländlichen Regionen andererseits, die jeweils mit ihren eigenen Herausforderungen zu kämpfen haben. Diese Arbeit analysiert, ob leere Häuser in diesem Zusammenhang ein ambivalentes Symbol der Hoffnung für Bosnien und Herzegowina darstellen, da ihre im Ausland lebenden Besitzer:innen ihre Bindung zum Herkunftsland nicht gänzlich kappen und teilweise Zukunftspläne für ihre zurückgelassenen Immobilien pflegen. Die 8 durchgeführten qualitativen Interviews mit den in den USA, Deutschland und Österreich lebenden Bosnier:innen beinhalten die Perspektiven von 4 Immobilienbesitzer:innen sowie 4 potentiellen Erb:innen. Die Interviews analysieren mit Hilfe der Mayring’schen Inhaltsanalyse, aus welchen Gründen die Häuser nur selten zum Verkauf stehen und welche individuellen Werte und Funktionen die leeren Häuser für ihre Besitzer:innen verkörpern. Dabei verrät der Titel just priceless bereits ein Ergebnis der Studie, nämlich dass der Erhalt von leeren Häusern fast ausschließlich ein emotionales Investment darstellt. Dies bedeutet, dass sich ihr spezifischer Wert aus immateriellen symbolischen Bedeutungen generiert. Starke familiäre Bindungen im Heimatland konnten dabei als maßgeblicher Grund für die Aufrechterhaltung eines doppelten oder transnationalen Lebens identifiziert werden. Dieser Lebensstil geht häufig mit vielen gefühlten Verpflichtungen und einem hohen Maß an Mobilität einher. Folglich scheint die Frage nach dem Zuhause für die Befragten keine eindimensionale Antwort zu kennen und bringt sowohl ambivalente Gefühle als auch unterschiedliche Bewältigungsstrategien im Umgang mit dem transnationalen Leben mit sich, die in dieser Arbeit detailliert erörtert werden.
VERFASSER:IN
Nickerl Hellena
JAHR
2022
STUDIENFACH
Zentrum für Südosteuropastudien
UNIVERSITÄT
Universität Graz
BUNDESLAND/LAND
Bosnien und Herzegowina
ORT
übergreifend
