Nachhaltige Regionalentwicklung im Grenzgebiet der Ötztaler Alpen in einer planungskulturellen Reflexion
ABSTRACT
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die grenzüberschreitende Raumplanung in den Ötztaler Alpen ausgehend von einem planungskulturellen Forschungsansatz. Angesichts wachsender sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Probleme, die sich nicht an politisch-administrativen Grenzen orientieren, wird die Notwendigkeit einer kooperativen Planung deutlich. Die Relevanz ist insbesondere im Alpenraum ersichtlich, der als Zentrum aktueller Transformationsprozesse beschrieben wird und sich durch einen vulnerablen Sozial- und Kulturraum auszeichnet. Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen der Empfehlung, funktional zusammenhängende Räume ganzheitlich zu betrachten, und der territorialen Organisation von Raumplanung, die an Grenzen ausgerichtet ist.Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, förderliche und hinderliche Faktoren einer sozial und ökologisch nachhaltigen Regionalentwicklung aus der Sicht lokaler Akteur*innen zu erheben. Die Autorin geht von einem relationalen Raumverständnis und einer wissensorientierten Planungskulturdebatte aus.Demnach werden die strategischen Konzepte, Programme und Instrumente der Planung (manifeste Sinnebene) als Ordnungssystem verstanden. Diese werden von den Planungsakteur* innen interpretiert und angewendet (latente Sinnebene),wobei ihre Zielvorstellungen, Problemwahrnehmungen, Werte und Fähigkeiten eine große Rolle spielen. Um herauszufinden, wodurch sich eine gemeinsame grenzüberschreitende Planungskultur im Untersuchungsgebiet auszeichnet,wurden Literaturrecherchen, leitfadengestützte Interviews, informelle Gespräche, Ortsbegehungen und eine Dokumentenanalyse der Planungsartefakte durchgeführt. Auf der manifesten Ebene der grenzüberschreitenden Planung werden neben den Bestrebungen zum Abbau grenzbezogener Hürden auch Ziele einer nachhaltigen Entwicklung formuliert und über die Einbindung in internationale Völkerrechtsvereinbarungen sowie alpenraumübergreifende Einrichtungen und Konzepte ideell und finanziell umgesetzt. Eine zentrale Maßnahme ist ein Multi-Level-Governance-Ansatz, der Kooperationen zwischen Gebietskörperschaften und Fachabteilungen vorsieht. Die dahinterliegenden Planungsverständnisseder Planungsakteur*innen unterscheiden sich zwischen transnationaler und interkommunaler Zusammenarbeit. Eine gemeindeübergreifende Kooperation basiert in Tirol auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Gemeinden und ist nur punktuell vorhanden. Die transnationale Zusammenarbeit, die aus einem historisch gewachsenen, sozial und funktional verschmolzenen Kooperationsraum heraus entstanden ist, bringt lokale Bedürfnisse über die Projektebene in die Umsetzung.Aus der Analyse ergeben sich Empfehlungen für zukünftige Planungsvorhaben. Die formellen Planungsinstrumente sollten hinsichtlich einer Koordinationspflicht für Gemeinden oder durch ein integriertes Vorgehen zwischen Raumordnung, Tourismus und Verkehrsplanung nachgeschärft werden. Die Regionalentwicklung muss über die Projektebene hinaus weiterentwickelt werden, um eine stärkere Verfestigung der grenzüberschreitenden Planung zu ermöglichen. Zudem sollten zentrale Themen partizipativ angegangen und ein breiteres Spektrum an Interessen und Perspektiven einbezogen werden.
VERFASSER:IN
Rubenz Marie-Kathrin
JAHR
2024
STUDIENFACH
Raumplanung
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Italien, Tirol
ORT
Ötztaler Alpen
