Strategie zur Nachnutzung des Drusus-Kasernenareals in Schlanders
ABSTRACT
Schlanders (Vinschgau, Südtirol). Mittwoch, 05. Oktober 2022, 4:30 Uhr. Aus der finsteren Nacht rollen Bagger heran – und wenn es keiner weiß, dann wird’s auch keinen stör’n… Oder? Auf Geheiß des Bürgermeisters werden in einem Akt der Zerstörung die ersten Löcher in zwei Gebäude der ehemaligen Drusus-Kaserne gerissen. Notverordnung. Fast der gesamte Gebäudebestand soll einer Großwohnanlage, einem Business-Park und einer Schulerweiterung weichen – schließlich geht es um vier Hektar in Bestlage. Die bestehenden Militärbauten gehen auf die Annexion Südtirols durch Italien und die anschließende faschistische Herrschaft zurück. Sie werden darum noch heute teilweise als „unbeqeuemes Erbe“ rezipiert. Ist ihr Abriss vielleicht auch ein Akt des kollektiven Vergessen-Wollens? Das Landesdenkmalamt jedenfalls lässt die Aktion nach wenigen Stunden polizeilich stoppen und stellt die Bestandsbauten vorübergehend unter Denkmalschutz. Begreifen wir den hochwertigen Baubestand währenddessen als chancenreiche Ressource und versuchen uns am Erhalt, dann sehen wir, dass eine sinnhafte und bedarfsgerechte Nachnutzung der Militärbauten auch ohne „tabula rasa“ funktioniert. Noch dazu können die identitätsstiftenden, wie auch die dissonanten Merkmale des Areals mit gezielten Eingriffen in einen zeitgemäßen und unverdächtigen Kontext gesetzt werden. Der hier folgende Entwurf basiert zum einen auf Interviews und Reportagen, die wertvolle Einblicke in gewachsene Vinschger Alltags- und Materialkulturen geben. Fortschritt und Innovation werden damit als schönste Form der Kontinuität gelesen. Zum anderen wird die Klimainsel Vinschgau zum alles entscheidenden Charakteristikum des Umbauprojektes. So bestimmen das örtliche Klima und insbesondere der berühmte Vinschger Wind die entwurfliche Herangehensweise, um mit möglichst wenig technischen Umbauten zukunftsweisende Gebäude zu erhalten. Von Versuchen im Windkanal bis zu den angebotenen Wohnungstypen wird das Thema Umbau abseits „gewohnter“ Bilder gedacht.
VERFASSER:IN
Rollmann Michael
JAHR
2024
STUDIENFACH
Architektur und Entwerfen
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Italien, Südtirol
ORT
Schlanders
