ABSTRACT
Hintergrund: In Österreich leben über 9 Millionen Menschen. 19,4 % davon sind über 65 Jahre (Prognose 2030: 23,2 %). Den demographischen und strukturellen Herausforderungen stellt sich auch der ländliche Raum, wo 46 % der Gesamtbevölkerung leben (nach Urban-Rural-Typologie). Die Lebenserwartung von Frauen lag bei der Geburt 2020 bei 83,7 Jahren, von Männern 78,9 Jahren. Ein (sehr) guter subjektiver Gesundheitszustand (Gesundheitsbefragung: 2019) lag bei Frauen bei 64,7 Jahren und für Männer bei 63,1 Jahren. Das Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und auch der österreichischen Gesundheitsziele ist, die Lebensjahre in (sehr) guter Gesundheit zu erhöhen. Dies ist zentral, um ein selbstständiges Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen. Gesundheit und Wohlbefinden werden durch soziale Teilhabe gefördert. Soziale Teilhabe als die Beteiligung einer Person an Aktivitäten, gemeinsam mit anderen, kann für das gelingende Altern eine wichtige Rolle spielen.
Ziel: Die Arbeit untersuchte die wesentlichen Einflussfaktoren auf soziale Teilhabe von älteren Menschen (65+) im ländlichen Raum. Weiters, ob es Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt und ob die Wohnsituation alleinlebend oder eingebunden einen Einfluss auf die Teilhabe hat.
Methodik: Es wurde eine Literaturrecherche, systematisch und selektiv, sowie Berichte von Praxisprojekten und Freiwilligenreports erhoben. Aus den Ergebnissen wurde ein Teilhabe-Modell erstellt. Danach wurden acht qualitative Interviews mit Menschen aus Breitenfurt bei Wien geführt, mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz & Rädiker ausgewertet und in das Modell integriert.
Ergebnisse: Äußere Umweltfaktoren und individuelle persönliche Faktoren nehmen Einfluss. Gesundheitliche Einschränkungen, eingeschränkte Mobilität erschweren Zugang und Erreichbarkeit von öffentlichen Einrichtungen und Angeboten. Die Möglichkeit für Engagement in Vereinen bietet großes Potenzial für Teilhabe und informelles Lernen. Im Bereich digitale Bildung gibt es einen großen Nachholbedarf. Frauen sind mehrfach benachteiligt (u.a. häufiger allein, geringere Einkommen, niedrigeren Bildungsgrad, mehr Betreuungspflichten). Ob alleinlebende oder eingebunden lebende ältere Menschen mehr soziale Teilhabemöglichkeiten haben, konnte nicht abschließend beantwortet werden. Hier wäre weitere Forschung notwendig.
Schlussfolgerungen: Alle Faktoren wirken zusammen. Wesentlich scheint die Organisation von Transporten zu Angeboten und Einrichtungen. Ein verstärktes Bildungsangebot, vor allem im Bereich digitale Medien und Treffpunkte für zufällige Begegnungen sind Ansatzpunkte, die mehr Teilhabe ermöglichen. Konsumfreie Räume für ökonomisch benachteiligte Personen und aufsuchende Angebote für sozial isoliert lebende Menschen sind wichtig. Auf die gesundheitliche Chancengleichheit ist besonders Wert zu legen.
VERFASSER:IN
Schulze Elisabeth
JAHR
2022
STUDIENFACH
Sozial- und Präventivmedizin
UNIVERSITÄT
Medizinische Universität Wien
BUNDESLAND/LAND
Niederösterreich
ORT
Breitenfurt bei Wien
