Analyse der Wechselwirkungen zwischen Biodiversität Flächeninanspruchnahme von Böden und energetischer Nutzung von Biomassen im Kontext des Klimawandels in der Modellregion Lungau
ABSTRACT
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen Biodiversität, Flächeninanspruchnahme und der Nutzung von holzartiger Biomasse in Biomasseheizwerken im Kontext der Klimawandelanpassung. Dabei wird einerseits der Flächenbedarf von Biomasseheizwerken in der Modellregion Lungau unter der Annahme einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft analysiert. Andererseits werden die Auswirkungen von diversen Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel betrachtet, die sich auf verschiedene Weisen auf die Flächennutzung und die Biodiversität auswirken. Durch die Nutzung der HANPP (Human Appropriation of Net Primary Production; auf Deutsch: die menschliche Aneignung der Nettoprimärproduktion) wird die Intensität der menschlichen Eingriffe in die trophische Energie von Ökosystemen gemessen und somit kann auf den Grad der Biodiversität geschlossen werden. Mit dieser Methode wurden Szenarien entwickelt, die die Auswirkungen der Klimawandelanpassungsmaßnahmen in unterschiedlichen Intensitätsgraden vergleichen. Die Ergebnisse zeigen, dass eine nachhaltige Flächennutzung und der Schutz der Biodiversität entscheidend sind, um negative ökologische Effekte der Biomassenutzung zu minimieren und gleichzeitig die Wärmeversorgung sicherzustellen. Trotz des großen Waldanteils der Modellregion ist von einem Flächenbedarf von 146% der Waldfläche durch die Biomasseheizwerke im Lungau auszugehen, womit eine Abhängigkeit von Holzimporten besteht. Durch die Umsetzung von gewählten Klimawandelanpassungsmaßnahmen kann der Flächenbedarf auf bis zu 94% reduziert werden. Zudem kann durch die Umsetzung der ausgewählten Maßnahmen der prognostizierte Flächenverlust landwirtschaftlicher Flächen von 3.341 ha auf 576 ha abgeschwächt werden. Die Arbeit unterstreicht die Notwendigkeit, integrierte Ansätze in der (Energie-)Raumplanung zu entwickeln, weiterzudenken und zu optimieren, die sowohl die energetische Nutzung von Biomasse fördern als auch die langfristige Resilienz von Ökosystemen in der Region stärken. Um hierbei einen Beitrag zu leisten, wurde ein Tool entwickelt, das darauf abzielt, Maßnahmenbewertungen in Regionen im Kontext der Flächeninanspruchnahme, Biodiversität und Nutzung von erneuerbaren Energien einfach und effizient durchführen zu können. Weiterer Forschungsbedarf besteht vor allem im Bezug zur den standortabhängigen Wachstumsbedingungen und deren Einfluss auf den Flächenverbrauch von Biomasseheizwerken. Die Datenverfügbarkeit stellt hierbei die größte Herausforderung dar. Gesetzesänderungen und Initiativen der EU (wie RED III) könnten zukünftig die weitere Forschung erleichtern.
VERFASSER:IN
Santner Stefan
JAHR
2024
STUDIENFACH
Raumplanung
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Salzburg
ORT
Lungau
