ABSTRACT
Können Gebäude symbiotisch wirken und wie lässt sich der Begriff auf die Architektur übertragen? Was hat das mit der Zersiedelung der Städte zu tun? Folgende Arbeit befasst sich mit einem Thema, welches immer aktuell sein wird, und versucht auf eine innovative Art und Weise Fragen wie z. B. „Wie kann man mit dem Leerstand umgehen?“ und „Wie kann ein zeitgemäßes Konzept zur Ortskernstärkung aussehen?“ zu beantworten. Eine aktuell für viele Ortschaften bekannte Herausforderung ist der sog. „Donut-Effekt“, der im Grunde genommen eine zerstreute Siedlungsstruktur rund um ein ehemals funktionierendes Zentrum darstellt. Am Beispiel der von vielen TouristInnen beliebten Salzburger Stadt Radstadt wird ein Konzept für die Stärkung des Zentrums erarbeitet. Das Herz von Radstadt, die kompakte Altstadt – von einer historischen Mauer umgeben und nach außen fast wie ein Museum wirkend – pulsiert nicht mehr so wie früher. Schon seit mehreren Jahren werden vom Land Salzburg räumliche Entwicklungskonzepte entwickelt, um der Zersiedelung entgegenzuwirken. Im Sinne der Ortskernstärkung wurde eine Umgestaltung des öffentlichen Raumes mit einer Tiefgarage realisiert sowie eine Erweiterung der Altstadt nach Norden vorgeschlagen. Wenn man sich jedoch die Situation im Ortskern anschaut, fallen folgende Hindernisse auf: viel Leerstand mit strategisch wichtiger Lage, wenig Einkaufsangebot für die breite Masse und der Autoverkehr überwiegt gegenüber der aktiven Mobilität. Die langsam stagnierende Bevölkerung, bestehend aus Einheimischen, PendlerInnen und SchülerInnen aller Altersgruppen, braucht zudem moderne und abwechslungsreiche Angebote. An welchem spezifischen Ort und mit welchem architektonischen Eingriff in alte Bausubstanzen kann der Stadtkern wieder belebt werden? In der Arbeit wird nicht nur auf das Aktivieren von konkretem Leerstand eingegangen, sondern auch auf die symbiotische Wechselwirkung zwischen einem Objekt und seiner Umgebung: als Stärkung vorhandener Nutzungen und Qualitäten, als Wahrnehmung des Außenraums und infolgedessen als Anreiz zum Reakti- vieren weiterer Leerstände, um schlussendlich einen attraktiven Kommunikationsort für die Menschen zu schaffen. Der Entwurf wird an einer sehr bedeutsamen Stelle verortet, wo zwei an der Karl-Berg-Gasse gegenüberliegende Gebäude das Eck des Stadtplatzes bilden. Für diese Bauwerke werden eine Umnutzung, Erweiterung und Verbindung analog einer Symbiose geplant. Es wird eine zukunftsorientierte räumliche Flexibilität angestrebt, um ein leichteres Überwinden von Hindernissen im Wandel der Zeit zu ermöglichen. Eine für die aktuelle Bevölkerung geeignete Mischnutzung wird mithilfe weiterer Analysen festgelegt und anhand des Projekts veranschaulicht. Abgesehen von der Ausarbeitung eines Entwicklungsvorschlags am definierten Ort soll die Abschlussarbeit für andere Ortschaften mit der gleichen Problematik als eine Art Leitbild zur Forschung im Bereich der Ortskernstärkung dienen. Holz, das als lokaler natürlicher Rohstoff charakteristisch für das Stadtbild ist, wird als primäres Material ausgewählt. Bestens geeignet für die bauliche Intervention ist es außerdem aufgrund seiner vielseitigen Eigenschaften: leichtes Gewicht im Vergleich zu anderen Baustoffen, lässt mehr Spielraum für projektspezifische Anpassungen im Bestand zu, weist ökologische Merkmale auf und trägt zu einer behaglichen Atmosphäre bei.
VERFASSER:IN
Ivanova Petya, Aleksova Diana
JAHR
2023
STUDIENFACH
Architekturtechnologie
UNIVERSITÄT
TU Graz
BUNDESLAND/LAND
Salzburg
ORT
Radstadt
