Zu Wachstum und Wandel des nordburgenländischen Dorfes
ABSTRACT
Das Dorf läuft Gefahr, im 21. Jahrhundert zunehmend an fundamentaler Bedeutung zu verlieren. Einst sozio-ökonomische Mikrokosmen, verkommen ländliche Siedlungen durch fortschreitende Urbanisierungsprozesse heute zunehmend zu den Ballungsräumen zugehörigen, periurbanen Satellitenstrukturen. Besonders das Nordburgenland erfährt – nicht zuletzt aufgrund der räumlich-geografischen Nähe zu den beiden Ballungsräumen Wien und Bratislava – eine immense Neubautätigkeit und ein beträchtliches Wachstum. So haben seit Mitte des 20. Jahrhunderts – so der allgemeine Tenor – vielschichtige Transformationsprozesse die Dörfer von ihrer ursprünglichen Funktion entfremdet, um den Bedürfnissen einer vermeintlich urban gewordenen Gesellschaft gerecht zu werden. In Kenntnis dessen, dass vernakuläre Angerdörfer in ihrem Ursprung als geschlossene Siedlungen gegründet und von Beginn an nicht auf bauliche Expansion ausgelegt waren, ist allerdings anzunehmen, dass sowohl gesellschaftliche, wirtschaftliche, kulturelle oder technische Umwälzungen, als auch schlicht die Reproduktion bereits in den Jahrhunderten zuvor zu Wachstum und damit einhergehenden Transformationen der dörflichen Struktur und Logik geführt haben müssen. Die Ortsbilder vieler Dörfer – so liest man – blieben jedoch bis ins beginnende 20. Jahrhundert weitgehend intakt. So ist die These aufzustellen, dass trotz etwaiger Umbrüche eine gewisse bauliche Permanenz aufrecht erhalten werden konnte. Die vorliegende Arbeit soll bauliche Veränderungen der nordburgenländischen Dörfer zwischen Ende des 17. und der Mitte des 20. Jahrhundert prüfen, auf ihre gesellschaftspolitischen, sozioökonomischen, rechtlichen, technischen und kulturellen Hintergründe hin untersuchen und dabei die baulichen und siedlungskonzeptionellen Brüche und Kontinuitäten aufspüren und zueinander in Beziehung setzen. Dabei soll die Auseinandersetzung primär literaturgestützt erfolgen und sich darauf aufbauend der vergleichenden Betrachtung und Analyse von kartographisch und planerisch dokumentierten Dorfentwicklungsstadien bedienen. Anhand diverser Fallbespiele wie etwa Weiden am See, Pöttsching oder Halbturn sollen die Veränderungen einer konkreten Untersuchung unterzogen werden.
VERFASSER:IN
Sieberer Thomas
JAHR
2023
STUDIENFACH
Architektur und Entwerfen
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Burgenland
ORT
Weiden am See
