Belebung der alten Tischlerei in Michaelnbach, OÖ
ABSTRACT
Die folgende Arbeit beleuchtet ein Projekt, das in der ländlich geprägten Gemeinde Michaelnbach in Oberösterreich gestartet wurde und nach und nach umgesetzt wird. Im Mittelpunkt des Projektes stand die Umnutzung einer leerstehenden Tischlerei aus den 70er Jahren zu einem Ort des gemeinwohlorientierten Wirtschaftens.Ortskerne verloren in den letzten Jahren durch die Zersiedelung, den motorisierten Individualverkehr, durch den Verlust von Treffpunkten und die Abwanderung von Frequenzbringern wie Nahversorger, öffentliche Funktionen oder Handel immer mehr an Bedeutung. Bei den umliegenden Einfamilienhaus-Siedlungen und die Fachmarktzentren am Rand wurden oft keine öffentlichen Räume, die eine Aneignung erfordern, mitgedacht.Diese Arbeit fordert eine neue Bewertung des öffentlichen Raumes am Land. Der öffentliche Raum im ländlichen Umfeld ist weniger eine Aufenthaltsfläche zur Entspannung, sondern überspitzt dargestellt meist ein autodominierter Platz mit hoher sozialer Kontrolle. Öffentlicher Raum kann aber auch anders wahrgenommen werden – es ist ein Ort, der von allen gestaltet werden kann, es ist ein kollektiver Ort!Um herauszufinden welche Nutzungen das Gebäude noch aufnehmen kann und wie Menschen sich daran beteiligen können, wurde ein Reallabor (Dorf.labor) durchgeführt. Diese Methode verbindet Theorie und Praxis und gibt einen tieferen Einblick in die sozialen Prozesse eines Dorfes.In der Reflexion des Reallabors wird auf die praktischen Herausforderungen und Erfolge eingegangen und festgestellt, dass es notwendig ist, die Bedeutungen der architektonischen Kollektivität herauszuarbeiten. Dazu wurde ein Glossar erstellt, das Signale, Organisationsformen und Raumnutzungen auflistet. Der Katalog zeigt die Bandbreite von Kollektivität auf und bildet die Basis für den Entwurf.Im Entwurf wird der öffentliche Raum als kollektiver Raum betrachtet, und die Gestaltung der kollektiven Zone in Michaelnbach. Im Fokus des Entwurfs steht die alte Tischlerei.Eine Erkenntnis dieser Diplomarbeit ist, dass der gesamte soziale Prozess hinter der Architektur von entscheidender Bedeutung ist. Durch das Reallabor in Michaelnbach wurde deutlich, dass die Verbindung von Theorie und Praxis sowie die Belebung von Ortskernen nur durch gemeinschaftliches Handeln gelingt.Die Resultate aus dem Reallabor und das Prozess-Design können als Grundlage für zukünftige Projekte in der Region dienen und verdeutlichen, dass die Gestaltung kollektiver Räume ein fortwährender, dynamischer Prozess ist, der nicht nur auf baulichen Aspekten basiert, sondern tief in den sozialen Kontext eingebettet ist.
VERFASSER:IN
Hamann Maria
JAHR
2023
STUDIENFACH
Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Oberösterreich
ORT
Michaelnbach
