Klosterleben, Fortschreiben eines (im)materiellen Erbes

Ein ehemaliges Frauenkloster als kontemporäre Wohnnutzung


ABSTRACT

Die Architekturpraxis ist geprägt von Abriss und Neubau mit der Verwendung von neuen Ressourcen und Materialien. Jedoch fordert die aktuelle Situation, beeinflusst von Klimawandel, Ressourcenknappheit sowie der gesellschaftlichen Nachfrage gemeinschaftlicher Lebensweisen, ein Umdenken der herkömmlichen Bauweise und einen neuen Blick auf die gebaute Umwelt. Diese Probleme werden im aktuellen Diskurs des Umgangs mit Bestandsgebäuden behandelt. Dieser umfasst nicht nur den materiellen Bestand, die Architektur, sondern auch den immateriellen Bestand, wie beispielsweise das gemeinschaftliche Leben von Ordensmitgliedern in den Klöstern. Das Klosterwesen besteht seit über tausend Jahren und erfährt im Laufe seiner Geschichte Höhen und Tiefen und sieht sich aktuell mit einer Krise konfrontiert. Der Rückgang der Orden nimmt seit Jahren zu, bedingt durch das hohe Alter der Mitglieder und dem Ausbleiben von Zuwachs. Der Schwund an KlosterbewohnerInnen erschwert die aufwendige Instandhaltung zunehmend, wodurch viele Klöster als Leerstand enden. Die Resilienz des Klosterwesens als gemeinschaftliche Lebensform,die sich aus seiner historischen Beständigkeit ergibt, bietet jedoch eine gute Grundlage für eine genauere Auseinandersetzung mit der Zukunft klösterlicher Strukturen. Die Arbeit zeigt mit dem obsoleten Bautypus Kloster ein mögliches Szenario für den Erhalt des materiellen und des immateriellen Erbes. Die gegenseitige Beeinussung von Gebäude und Inhalt wird im ersten Kapitel analysiert. Blickt man auf heutige Zahlen und Statistiken, die sich mit dem Klosterbestand befassen, fällt die dominierende Zahl der Ordensfrauen auf. Um die heutige weibliche Dominanz zu verstehen, gliedert sich die Recherche in einen allgemeinen Teil sowie einem Schwerpunkt auf die weibliche Perspektive. Das zweite Kapitel bildet die Bestandsanalyse des für den nachfolgenden Entwurf gewählten Klosters Wonnenstein in Appenzell Innerrhoden in der Schweiz. Der Entwurf zeigt einen Rückbezug auf die ursprüngliche Klostertypologie und eine Neuinterpretation der Nutzungen für ein gemeinschaftliches Leben im Sinne einer kontemporären Wohngemeinschaft. Das Kloster als Gebäudekomplex umfasst neben dem Mutterhaus als Wohngebäude ein Arbeitshaus sowie ein Gästehaus, vereint so Wohnen und Arbeiten. Durch die Neuinterpretation der obsolet gewordenen Nutzungenbleibt die Symbiose der Gebäudeteile erhalten und es wird ein Fortschreiben des Klosters ermöglicht.Die Revitalisierung des Klosters als ein seit Jahrhunderten bestehendes Wohngebäude im ländlichen Raum dient als Vorschlag ür den Umgangmit Bestand und dem Schaffen neuer gemeinschaftlicher Wohnformen.

VERFASSER:IN
Detter Lisa

JAHR
2024

STUDIENFACH
Architektur und Entwerfen

UNIVERSITÄT
TU Wien

BUNDESLAND/LAND
Schweiz

ORT
Appenzell Innerrhoden

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