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Architektur im Bregenzerwald ein Perspektivwechsel der Notwendigkeit


ABSTRACT

Die Region Bregenzerwald in Vorarlberg stellt mit ihrem kulturellen Reichtum, der großen Artenvielfalt und dem kontrastreichen Landschaftsbild einen außergewöhnlichen Lebensbereich im Alpenraum dar. Im alltäglichen Leben spiegelt sich die Verbundenheit der BregenzerwälderInnen mit ihrer Umgebung wider. Tradition und gelebter Brauchtum verbinden sich mit einem Gespür für zeitgemäßes Design und innovativem Handwerk.In der Architektur, die sich in diesen gesellschaftlichen Verhältnissen entwickelt hat, liegt der Fokus bisweilen auf traditionellen Bauern- und Einfamilienhäusern, die dem traditionellen Familienleben entsprechen. Hinzu kommen Gasthäuser, Hotels und Skilifte, die einen großen Teil zum wirtschaftlichen Erfolg beitragen, sowie viele Gewerbe/ und Produktionsstätten, die die Region als Wirtschaftsstandort definieren. Allgemein zeichnen sich Bauten durch ein hohes Maß an qualitativer Materialverarbeitung und hochwertigen Standards in der Arbeitstechnik aus.Mit der hier vorliegenden Arbeit wird eine kritische Auseinandersetzung mit der herkömmlichen Baukultur und der herrschenden Erwartungshaltung geführt. Vorstellungen vom Wohnen, Leben und Arbeiten werden unter Gesichtspunkten gegenwärtiger und zukünftiger Herausforderungen infrage gestellt. Dazu gehören dramatische klimatische Veränderungen, rasant steigende Lebenshaltungskosten und ein immer noch anhaltender Bauboom, welcher Ressourcen ausschöpft, Bodenversiegelung vorantreibt und die Bodenspekulation befeuert. Im Rechercheteil wird auf all diese Themen detailliert eingegangen. Zahlreiche architektonische Beispiele dienen hierbei zur Veranschaulichung des Sachverhaltes. Anschließend wird die Nutzung des Leerstandes als wesentlicher Lösungsansatz für die geschilderten Probleme untersucht.Mittels eines konkreten Entwurfes wird gezeigt, wie Leerstand erhalten, mit Leben gefüllt, Ressourcen genutzt und dem Versiegeln von Boden entgegengewirkt werden kann. Im Entwurf wird anhand der stillgelegten Spinnerei Fischer Wolle beispielhaft gezeigt, wie die architektonisch bislang wenig geschätzte und vermehrt leerstehende Typologie der Produktionshalle revitalisiert wird und diese Typologie Raum für alternative Wohnformen bieten kann. Der Entwurf für den vorderen Teil des bestehenden Hallenkonglomerats thematisiert die Frage, was außerhalb der reinen Wohnfunktion relevant ist. Wer wohnt, der arbeitet auch, lernt, lebt, hat soziale Bedürfnisse. Durch diese Verbindung formt sich ein Konzept, in dem Arbeitsstätte und Freizeitraum interagieren.Der hintere Teil des Konglomerates wird zu einem zukunftsweisenden Wohnquartier. Mit dem Entwurf wird ein Raumkonzept aufgezeigt, das einen Mehrwert sowohl für die BewohnerInnen des Areals als auch für die umliegende Region erzeugt. Diese Arbeit zeigt auf, dass neuartige Konzepte auch im Bestand Raum finden können und soziale wie gestalterische Aspekte auf Augenhöhe in hochwertiger Architektur verbunden werden können.

VERFASSER:IN
Kohler Ricarda

JAHR
2022

STUDIENFACH
Architektur und Entwerfen

UNIVERSITÄT
TU Wien

BUNDESLAND/LAND
Vorarlberg

ORT
Bregenzerwald

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