Raumplanerischer Umgang mit vom Krieg belasteten Orten am Fallbeispiel Kaisersteinbruch
ABSTRACT
In Kriegszeiten geschehen Verbrechen an Orten. An diesen Verbrechen sind Menschen in unterschiedlichen Rollen beteiligt. Sie treten als Täter:innen, Opfer oder Mitwissende auf. Wenn der Krieg zu Ende ist und mehr Zeit bleibt, um mit den Erinnerungen umzugehen, beginnt eine Phase der Reflexion.Dabei gehen die Menschen unterschiedlich mit ihren Erinnerungen um. Viele der Täter:innen wollen sich nicht mehr an ihre Vergehen erinnern und ihr Tun möglichst vergessen machen. Auch den Opfern fällt es schwer, sich zu erinnern. Sie leiden unter dem Geschehenen und den erlittenen Demütigungen. Sie leiden aber auch, wenn das Geschehene gesellschaftlich in Vergessenheit gerät. Mitwissende wiederum fühlen sich der einen oder der anderen Seite verpflichtet. Wenn sie die Verbrechen damals gebilligt hatten, mögen sie sich selbst auch schuldig fühlen. Wenn sie damals aus Angst geschwiegen haben, mag auch ihnen an der Aufarbeitung liegen. Bei aktivem Widerstand können sie sich vom Geschehen distanzieren.Nun zeigen alle Beteiligten ein unterschiedliches Interesse an der Gestaltung der Orte des Geschehens: Ob der Ort lieber vergessen werden soll, für andere Zwecke genutzt werden soll oder ob er durch seine Gestaltung das Geschehene vergegenwärtigen und damit in gesellschaftlicher Erinnerung halten soll. Die Beteiligten an diesen Geschehen werden älter, und es wächst die Zahl derer, die nicht am Geschehen beteiligt waren. So verschiebt sich mit den Jahren die Haltung zum Ort des Geschehens.Zu einem bestimmten Zeitpunkt kann sich eine Gesellschaft dazu entschließen, diese Orte sichtbar zu machen, um sie in Erinnerung zu halten und ein Gedenken zu ermöglichen. Es ist Aufgabe und Herausforderung der Raumplanung, einen angemessenen Umgang mit den Erinnerungsorten einer solchen Geschichte zu finden und das Gedenken und die Sichtbarmachung in der Planung und Gestaltung des Ortes zu ermöglichen.
VERFASSER:IN
Pouvreau Gabriel
JAHR
2024
STUDIENFACH
Raumplanung
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Burgenland
ORT
Kaisersteinbruch
