Wiederbelebung des öffentlichen Raums einer ehemaligen Arbeiter:innensiedlung
ABSTRACT
Angesichts globaler Krisen wie dem Klimawandel, der Verknappung von Ressourcen und sozialen Ungerechtigkeiten ist der Wandel zu einer nachhaltigen Lebensweise unverzichtbar. Die gebaute Umwelt, als maßgebliche Verursacherin von Umweltauswirkungen und (Re-)Produzentin gesellschaftlicher Verhältnisse, spielt eine entscheidende Rolle für den langfristigen Erhalt einer lebenswerten Umwelt für alle. Für den Paradigmenwechsel zu einer resilienten Stadtentwicklung braucht es nicht nur ökologische und energieeffiziente Bauten, sondern lebendige und sozial nachhaltige Nachbarschaften, die sich mit dem zur Verfügung stehenden Raum identifizieren und diesen gemeinschaftlich nutzen. Dem entgegen entwickeln sich Gemeinden im ländlichen Raum häufig zu Orten der Zersiedelung, Abwanderung und leerstehender Ortskerne mit mangelnder Versorgungsinfrastruktur. Im Rahmen des Smart-Cities Forschungsprojekts „Transform Ternitz“ werden Konzepte für eine ehemalige Arbeiter:innensiedlung der Stadt Ternitz im Altindustrieraum Niederösterreichs erarbeitet. Die „Dreiersiedlung“ soll dabei zu einem lebendigen und resilienten Quartier reaktiviert werden. Eingebettet in die Zielformulierung des Forschungsprojekts steht im Zentrum dieser Arbeit die Bedeutung eines gemeinschaftlich genutzten öffentlichen Raums für ein qualitatives und sozialintegratives Zusammenleben in der Siedlung und der gesamten Gemeinde. Hierfür wird insbesondere die von großem Leerstand betroffene ehemalige Ladenzeile ins Auge gefasst und Strategien zur Reaktivierung dieses Ortes als nachbarschaftliches Zentrum entwickelt.Auf der Grundlage einer Analyse der charakteristischen Potenziale und Herausforderungen des Standorts werden konkrete Lösungsstrategien auf unterschiedlichen Maßstäben und Handlungsfeldern entwickelt. Mit dem grundsätzlichen Anliegen eines wertschätzenden Umgangs mit dem Bestand und einer sozial gerechten Nutzung gemeinschaftlicher Raumressourcen werden sowohl kurzfristig umsetzbare Maßnahmen vorgeschlagen als auch Visionen für eine mittel- und langfristige Transformation der Siedlung aufgezeigt. Unmittelbare Maßnahmen können kollektiv umgesetzte Interventionen im öffentlichen Raum mit direktem Mehrwert für die Bewohner:innen sein. Mittel- und langfristig wird die Möglichkeit einer schrittweisen Aktivierung des Leerstands durch Pionier-nutzungen und einem ganzheitlichen, sozial-integrativen Nutzungskonzept aufgezeigt. Die Impulswirkung der Maßnahmen eröffnet Raum für einen langfristigen Prozess der kollektiven Gestaltung des gemeinsamen Lebensumfelds. Die räumliche Übersetzung konzeptioneller Anliegen bietet die Chance, den Entwurf sowohl als konkrete Option für die Dreiersiedlung als auch als Systemanleitung zur Umgangsweise mit ähnlich strukturierten Räumen zu lesen.
VERFASSER:IN
Hummel Franziska
JAHR
2024
STUDIENFACH
Städtebau, Landschaftsarchitektur und Entwerfen
UNIVERSITÄT
TU Wien
BUNDESLAND/LAND
Niederösterreich
ORT
Ternitz
