ABSTRACT
Die architektonische Transformation historisch belasteter Orte, wie des ehemaligen Mädchenheims Martinsbühel in Zirl, erfordert eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Architektur dient dabei nicht nur als räumliche Struktur, sondern auch als Medium der Erinnerung und Reflexion, das aktiv zur historischen Aufarbeitung beiträgt.
Ziel dieser Arbeit ist es, einen Entwurfsansatz zu entwickeln, der die Geschichte des Ortes aufarbeitet und gleichzeitig neue Perspektiven für seine zukünftige Nutzung eröffnet. Dabei stehen zwei Konzepte im Fokus: die Schaffung eines Gedenkortes und die Gestaltung eines lebendigen Begegnungsortes. Diese Ansätze sollen eine Balance zwischen Erinnerung und Neuorientierung schaffen und Martinsbühel als einen Ort der Reflexion, des Dialogs und der gesellschaftlichen Transformation neu positionieren.
Das ehemalige Mädchenheim in Martinsbühel ist, wie die früheren Landeserziehungsheime in Tirol und Vorarlberg, bekannt für die strengen und unmenschlichen Erziehungsmethoden in der Vergangenheit. Diese Einrichtungen hinterließen nicht nur physische Spuren, sondern vor allem emotionale Narben bei den BewohnerInnen. Ein zentraler Aspekt dieser Arbeit ist die Untersuchung, wie genau die Architektur solcher Heime das Befinden der BewohnerInnen beeinflusste, insbesondere wie sie Isolation und Kontrolle begünstigte.
Diese Analyse soll als Grundlage für die Entwicklung eines neuen architektonischen Entwurfs dienen, der den Ort Martinsbühel zu einem Raum macht, der nicht nur an die Vergangenheit erinnert, sondern in dem sich Menschen wohlfühlen und Gemeinschaft erleben können.
Die Arbeit soll den Bestand nicht nur als physisches Erbe, sondern auch als emotionales Gedächtnis begreifen, da die Gebäude die Geschichte der Menschen, die in ihnen lebten, in sich tragen und als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse fungieren. Die Bewahrung dieses Gedächtnisses, sowohl im Hinblick auf das Gebäude als auch auf die Menschen, bildet den zentralen konzeptionellen Ansatz. Denn nur auf dieser Grundlage lässt sich über eine Zukunft nachdenken, die auf der Vergangenheit aufbaut.
VERFASSER:IN
Ruhnau Franka und Zauels David
JAHR
2025
STUDIENFACH
Gestaltung
UNIVERSITÄT
Universität Innsbruck
BUNDESLAND/LAND
Tirol
ORT
Zirl
