Was macht einen Ort aus? Welche Potenziale liegen in seinen räumlichen Strukturen, seiner Geschichte und seinem alltäglichen Leben verborgen?
Diesen Fragen gingen Studierende der TU Wien und der New Design University (NDU) St. Pölten im Rahmen der interdisziplinären Summer School „Tracing Potentials“ nach. Von 13. bis 16. September 2026 wurde Drosendorf zum gemeinsamen Lern-, Forschungs- und Gestaltungsraum.
Vier Tage lang erkundeten die Studierenden die historische Kleinstadt im nördlichen Waldviertel aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven. Im Mittelpunkt standen nicht nur die gebaute Umgebung und die besondere topografische Lage Drosendorfs, sondern auch das soziale Leben, die alltäglichen Nutzungen und die visuelle Identität des Ortes. Dabei ging es darum, genau hinzusehen, vermeintlich Selbstverständliches zu hinterfragen und Potenziale aufzuspüren, die auf den ersten Blick vielleicht verborgen bleiben.
Den Ort lesen, verstehen und neu denken
Ausgangspunkt der Summer School war die unmittelbare Auseinandersetzung mit Drosendorf. Bei Spaziergängen, Beobachtungen und Gesprächen mit Bewohner:innen untersuchten die Studierenden die bestehenden Gebäude und Freiräume, beschäftigten sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und gingen der Frage nach, welche Bedürfnisse und Möglichkeiten sich für die Zukunft des Ortes abzeichnen.
Eine wichtige Rolle spielten dabei analoge Methoden des Beobachtens und Dokumentierens. Mit Skizzen, Zeichnungen, Fotografien, grafischen Studien und räumlichen Analysen wurden Eindrücke gesammelt, Zusammenhänge sichtbar gemacht und erste Ideen entwickelt. Die unterschiedlichen Zugänge aus Architektur, Raumplanung, Design und visueller Kommunikation ergänzten sich dabei und eröffneten neue Sichtweisen auf den Ort.
Gemeinsam gestalten und experimentieren
Die Summer School war bewusst als offenes und experimentelles Format angelegt. In interdisziplinären Teams entwickelten die Studierenden aus ihren Beobachtungen und Analysen unterschiedliche gestalterische Ansätze. Dabei entstanden Konzepte und Projektideen, die sich mit den räumlichen und soziokulturellen Besonderheiten Drosendorfs auseinandersetzten und mögliche zukünftige Entwicklungen zur Diskussion stellten.
Neben der gemeinsamen Arbeit vor Ort bot auch das Zusammenleben im Schloss Drosendorf Raum für informellen Austausch, Diskussionen und neue Begegnungen. Die intensive Beschäftigung mit dem Ort und die Zusammenarbeit über fachliche Grenzen hinweg machten die Summer School zu einem Lernformat, bei dem nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem der gemeinsame Prozess im Vordergrund stand.
Die entwickelten Ideen und Ansätze wurden im Anschluss an den Aufenthalt weiter ausgearbeitet und bei einer abschließenden Präsentation am 23. September vorgestellt.
Drosendorf als gemeinsamer Lern- und Gestaltungsraum
Mit „Tracing Potentials“ wurde die Zusammenarbeit zwischen der TU Wien und der NDU St. Pölten im Rahmen der landuni um eine weitere interdisziplinäre Perspektive erweitert. Die Summer School zeigte, wie sich unterschiedliche gestalterische Disziplinen gegenseitig bereichern können und wie wertvoll die unmittelbare Auseinandersetzung mit einem konkreten Ort für Lehre und Forschung ist.
Drosendorf war dabei weit mehr als der Schauplatz einer Lehrveranstaltung: Die Stadt selbst wurde wieder einmal zum Untersuchungsgegenstand, zum Impulsgeber und zum Ausgangspunkt für neue Ideen. Genau darin liegt auch ein zentrales Anliegen der landuni: Universität und Region miteinander in Austausch zu bringen, voneinander zu lernen und gemeinsam neue Perspektiven für die Entwicklung ländlicher Räume zu eröffnen.
