Mit der Schaffung der Laufbahnstelle Bau- und Planungskultur im ländlichen Raum setzt die Fakultät für Architektur und Raumplanung der Technische Universität Wien ein deutliches Zeichen: Der ländliche Raum wird als eigenständiger, komplexer und zukunftsrelevanter Gestaltungs- und Forschungsraum ernst genommen.
Trotz seiner zentralen Bedeutung für Bewohnerinnen und Bewohner, für Tourismus, regionale Wirtschaft und als Innovationsraum erhält der ländliche Raum in Forschung und Lehre bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Viele Regionen nehmen sich selbst als „abgehängt“ wahr – geprägt von hoher Wohnqualität einerseits und struktureller Benachteiligung andererseits. Genau hier setzt die neue Laufbahnstelle an.
Ausgangspunkt ist ein notwendiger Paradigmenwechsel: ein neues Bild vom Land. Dieses versteht ländliche Räume nicht als defizitäre Gegenpole zur Stadt, sondern als Räume mit eigenen Qualitäten, Ressourcen und Entwicklungspotenzialen. Im Fokus stehen die Analyse bestehender Systeme und Strukturen ebenso wie deren behutsame Weiterentwicklung. Vom Einzelobjekt über dörfliche und kleinstädtische Strukturen bis hin zu großmaßstäblichen Planungen werden Fragen des Erhalts, der Transformation und der Zukunftsfähigkeit der gestalteten und sozialen Umwelt verhandelt. Die Perspektive ist dabei bewusst fächerübergreifend angelegt und schafft wichtige Anknüpfungspunkte zu den bestehenden Forschungsbereichen der Fakultät.
Besetzt wurde die Laufbahnstelle mit Elisabeth Leitner. Sie studierte Architektur und Eventmanagement in Wien und promovierte zum Thema „Kulturhauptstadt Europas und Stadtentwicklung“. Von 2008 bis 2016 war sie in Lehre und Forschung am Forschungsbereich Städtebau der TU Wien tätig, anschließend leitete sie von 2016 bis 2020 den Studiengang Architektur an der FH Kärnten. Seit 2020 arbeitet sie selbständig in den Bereichen Prozessbegleitung und Wissensvermittlung. Seit 2025 ist sie Laufbahnstelleninhaberin für Bau- und Planungskultur im ländlichen Raum an der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien.
Darüber hinaus ist Elisabeth Leitner Obfrau von LandLuft, einem Verein zur Förderung von Baukultur in ländlichen Räumen. Sie ist Mitinitiatorin von RURASMUS – Forschungsinstitut zur Förderung neuer Perspektiven für das rurale Europa sowie des Podcasts Mutige Frauen braucht das Land.
Mit dieser Laufbahnstelle wird eine wichtige inhaltliche und strukturelle Grundlage geschaffen, um Bau- und Planungskultur im ländlichen Raum langfristig zu stärken, neue Narrative zu entwickeln und den ländlichen Raum als aktiven Partner in der räumlichen Entwicklung sichtbar zu machen.
